Es gibt Nachrichten, die lassen nicht nur aufhorchen, sie elektrisieren geradezu. Im Wust der Meldungen der vergangenen Woche war es diese aus Siegburg, die herausstach: „Schlepperfreunde schließen sich den Hunnen an“. Darin ist die Rede von einer Kooperation zwischen organisierten Traktor-Fans und der „Ersten Hornpötter Hunnenhorde“, einem hauptsächlich im Karneval öffentlich aktiven Verein. „Auf den ersten Blick gibt es hier keine Gemeinsamkeiten“, heißt es in der Mitteilung - und das trifft exakt das Gefühl amüsierter Ratlosigkeit des Redakteurs, der Hunnen für ein asiatisches Reitervolk hält, das sogar den Sattel mit Steigbügeln erfunden haben soll, aber niemals den Überrollbügel für Landmaschinen. Unvorstellbar: Attila nicht hoch zu Ross im Galopp, sondern auf dem Lanz Bulldog durch die Steppe tuckernd. Der legendäre Schrecken vor den Hunnen wiche purer Heiterkeit. Aber selbstredend, so stellen die „Schlepperfreunde“ klar, gibt es keine historische Verbindung zwischen den Horden des vierten Jahrhunderts und den Treckern, die im 19. Jahrhundert aufkamen. Nicht einmal die des Menschen-Verschleppens. Nein, die Verbindung wird erst heute in Siegburg gestiftet. Zitat: „Und hier sind die Gemeinsamkeiten: Die Hunnen und die Schlepperfreunde haben sich zusammengeschlossen, um noch effektiver das jährliche Siegburger Schleppertreffen zu gestalten.“ Das gab es erst einmal bisher und soll zur jährlichen Einrichtung werden. Und das kann auf der Zange nur klappen, wenn die martialischen Hunnen „für das leibliche Wohl sorgen“. Das soll die Aufgabe der Wilden inmitten der Diesel-Motoren sein: Das Publikum zünftig verköstigen.
120 Schlepper werden bei dem für Dezember geplanten Event erwartet. Es soll die einzige winterliche Traktorschau in Deutschland sein. Deshalb erwarten die kooperierenden Vereine „Besucher und Teilnehmer aus dem ganzen Bundesgebiet“. Dann wird es wohl ziemlich eng auf dem Berliner Platz, wo sich die Oldtimerfreunde mit den Hunnen warmschunkeln. Ein neues Aushängeschild für Siegburg: Attila gibt dem Zweitakter die Sporen.http://www.rhein-sieg-anzeiger.ksta.de/html/artikel/1179819876303.shtmlOffener Antwortbrief von Karl-Heinz Reimer, Sprecher der Siegburger Schlepperfreunde:
Betreff: Glosse, Wochenendausgabe / Lokal- Siegburg
Wenn Maikönigin Attila sticht.
Es ist schon aufregend über Schützenfeste, Schützenkönige, Sommerfeste, und Maiköniginnen zu berichten. Wurde doch soeben Heinz Meier Altpräsident des Dackelclubs und Lieschen Müller Bierprinzessin. Und jetzt kooperieren auch noch Vereine und geben das bekannt. Wo soll das den noch hinführen, wenn die Roten mit den Blauen Pappnasen in trauter Zweisamkeit, spätestens bei der Weihnachtsfeier in Eintracht schunkeln. ( Für Nichtrheinländer: Rheinländer schunkeln immer.)
Dieser ganze Vereinskram geht einem renommierten Redakteur ganz schön auf den Wecker. Hat man doch schließlich eine Journalistenausbildung. Und wofür? Jetzt muss man sich mit dem Gesülze der Karnevalisten beschäftigen und daraus was lesbares machen...!?
So nicht! Jetzt ist Schluss, man ist doch nicht der Clown der Redaktion. Dieser ganze Vereinsquark unterfordert, dass muss mal gesagt bzw. geschrieben werden. Der geneigte Leser sollte auch mal Verständnis für Publizisten haben.
Lieber Jürgen Röhrig, wir haben Verständnis! Weiter so: Lass Kesseln, Werner..
Mit freundlichen Grüßen
Karl- Heinz Reimer